#AUTORENSONNTAG KW 30: Wo möchte ich in 5 Jahren sein?

Aktualisiert: Juli 26

Diese Frage hat mich dazu bewogen zuerst einen Blick zurück zu werfen, an den Punkt, wo ich vor 5 Jahren stand.


Vor 5 Jahren, Mitte 2015, war ich 22 Jahre alt und seit fast 4 Jahren Studentin. Ich befand mich im 6. Semester, aber war noch weit von meinem Abschluss entfernt. Ich hatte eine damals ganz coole Wohnung über einem PC-Laden und eine Katze, die ich 2012 per Hand aufgezogen hatte. Ich studierte ein bisschen, die meiste Zeit arbeitete ich jedoch in einem Pizzaladen um die Ecke für den frisch eingeführten Mindestlohn (davor war es deutlich weniger!) oder spielte Pokemon und League of Legends.


Das reichte in Magdeburg irgendwie.


Einen Anlauf zum Schreiben hatte ich zu dem Zeitpunkt seit drei Jahren nicht mehr unternommen. Ich hatte mich als kreative Person aufgegeben und versuchte mich mit der "Realität" zu engagieren.


Hätte man mir damals die Frage gestellt, wäre meine Antwort die Folgende gewesen:

Ich will in den nächsten 5 Jahren mein Studium beenden und irgendeinen Job finden, von dem ich halbwegs vernünftig leben kann. Am liebsten natürlich im Kulturbereich, obwohl ich mir da keinerlei Chancen ausrechnete. Menschen, die im Kulturbereich einen Job wollten, mussten vorher da schon umsonst gearbeitet haben. Ich aber war abhängig von meinem Pizzaladen, daher fiel das aus.


Mein Ziel sollte ich Januar 2019 erreichen. Vier Jahre später, als ich in der Zwischenzeit nicht nur dieses, sondern noch ein weiteres Studium absolviert hatte und einen nicht völlig schrecklichen Job in einer ganz coolen Firma - für Magdeburger Standards - bekommen habe. Zum ersten Mal reichte mein Geld!


Wie sieht es heute aus?


Mein Leben hat sich radikal verändert, heute bin ich Selbstständig in Hamburg. 2018 habe ich wie durch ein Wunder den Glauben an mich und meine Intuition wieder zurückerlangt, den Glauben an meine Kreativität. Wenn ich also auf die kommenden 5 Jahre schaue, dann ist es mein Traum innerhalb der 5 Jahre einen Weg zu finden, mein aktuelles Leben weiterhin zu finanzieren. Welche kreativen Wege ich dafür gehen werde / muss ist mir völlig gleich, es gibt so vieles, was mir spass macht und mich begeistert. Ich weiß nur eines: Ich habe nicht vor in die klassische Karriere zurückzukehren. Lieber arbeite ich nebenbei als Kellner.


Ich denke, was ich vorhabe ist nicht unmöglich, vor allen Dingen, wenn ich mir die 5 Jahre zuvor ansehe. Das erscheint für einige von euch vielleicht wie ein einfacher Weg, doch das war es keinesfalls gewesen. Ich hatte seit 2012 mit starken sozialen Ängsten und zeitweiligen Depressionen zu kämpfen. Hinzu kam, dass ich während des Studiums so gut wie keine finanzielle oder sonstige Unterstützung erhalten habe. Ich MUSSTE mich durchbeißen in einer Stadt die alles hat, nur nicht genug ordentliche Arbeit oder Arbeitgeber (2014 war das Gehalt in dem Pizzaladen 4,50€ die Stunde - 5,00€ die Stunde gab es bei der lokalen Zeitung und auch heute noch sind mir unzählige Fälle bekannt, in denen Arbeitgeber die Mitarbeiter unter Druck setzen für weniger zu arbeiten als im Vertrag steht). Doch allem zum trotz schaffte ich es zwischendurch auch noch ein zweites Studium mit 13.000€ Studiengebühren irgendwie aus dem Boden zu stampfen.


Es gibt noch vieles, was ich lernen muss. Aber ich habe es bis hierher geschafft und ich weiß, was ich nicht (mehr) will. Ich weiß, was mir wirklich wichtig ist und ich weiß mittlerweile, was ich kann. In dem letzten halben Jahr habe ich unendlich viel erreicht und bin gespannt wann sich meine Träume erfüllen werden und welche fantastischen Menschen ich auf diesem Weg noch kennenlernen darf.


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