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Psychologie-Schreibtipps - Part 1: Der Leser, das unbekannte Wesen


Wenn wir Bücher verkaufen möchten, müssen wir vor allem erst einmal eines tun: Ein Buch schreiben.

Nun scheint ein Buch zu schreiben ein ziemlich erschlagendes Unterfangen zu sein, wenn man bedenkt, dass bereits Millionen und Abermillionen Geschichten existieren. Allein die Motivation zum Schreiben aufzubringen und eine Story fertigzustellen, ist eine Meisterleistung.


Doch warum sollten Menschen gerade unsere Geschichte am Ende auch lesen?


Die Hauptmotivation eines jeden Lesers lässt sich wie folgt in Worte fassen: Leser möchten dank unserer Geschichte eine Erfahrung durchleben, die über ihr alltägliches Leben hinausgeht.


> Psychologie-Input: Unser Gehirn kann nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden. Wer eine Liebesgeschichte liest, fühlt sich (im Optimalfall) wirklich verliebt.


Was bedeutet das für uns Autoren?


Zwei Dinge:

  1. Leser gehen an jedes Buch mit einer emotionalen Erwartungshaltung heran.

  2. Leser empfinden alles im Text, was sie aus der Geschichte und ihrem Lesefluss herausreißt, als eher negativ oder störend.


Und nun?


Neben der rein formalen Qualität unserer Texte, einer inhaltlich packenden Story und glaubhaften Charakteren, sind also AUCH noch die Ausarbeitung des emotionalen Kerns der Geschichte und eines störungsfreien Leseflusses von entscheidender Bedeutung.


Ganz zu schweigen von den drei wichtigsten Verkaufsfaktoren: Cover, Klappentext und die erste Seite. Aber alles der Reihe nach.


Die emotionale Erwartungshaltung wird maßgeblich vom Genre bestimmt:


  1. Fachbücher - Der Leser möchte möglichst einfach und verständlich Antworten auf seine Fragen finden, ohne sich zu langweilen. Ersteres wird durch eine gute Strukturierung des Inhalts, letzteres am besten durch interessante und kurzweilige Beispiele erreicht.

  2. Krimi, Mystery - Der Leser will in eine Geschichte eintauchen, die ihn intellektuell auf spielerische Art fordert (Wer ist der Mörder? Was ist sein Motiv? Was geschieht hier?). Für ihn läuft alles auf einen als besonders euphorisierend empfundenen „Ich habs gewusst“-Moment (oder einen „Okay, wow, damit habe ich gar nicht gerechnet!“-Moment) hinaus.

  3. Thriller, Horror - Der Leser will einen Adrenalinschub spüren oder andere Körperreaktionen auf die gelesenen Inhalte erfahren. Beispielsweise Gänsehaut, Herzklopfen, Ekel. Es mag überraschend klingen, doch nicht wenige Menschen sind adrenalinsüchtig (oder gelangweilt) und suchen daher gezielt den Thrill in solchen Büchern.

  4. Romanze - Der Leser möchte sich verlieben. Er möchte das Gefühlschaos der Schwärmerei, der Verliebtheit, der Ängste und Zweifel, der Freude, des Verlangens usw. durchleben und sich von einem besonders emotionalen Ende, egal ob Happy- oder Sad-End, übermannen lassen.

  5. Frauenliteratur - Dient der Hoffnung und der positiven Unterstützung des Selbstbewusstseins. Wird insbesondere gern in der Lebensmitte gelesen, um sich vor Augen zu halten, dass es nie zu spät ist, eigene Träume zu verwirklichen. Wird auch oft von einem Sehnsuchts- oder Aufbruchsgefühl begleitet.

  6. Fantasy/Science Fiction - Hauptziel des Lesers ist hier, in eine fremde Welt fernab der Realität einzutauchen. Wird oft von einem optimistischen und philanthropischen Weltbild getragen. Ein Gefühl der Neugier, der Offenheit und dem Entfliehen des Alltags ist hier dominant. Prinzipiell kann Fantasy / Science Fiction mit jedem der anderen genannten Genres verbunden werden.

  7. Dark Genres - Dark Fantasy, Dark Romance, Dystopie, Noir Krimi - erfreuen sich besonders in den jüngeren Generationen steigender Beliebtheit. Sie symbolisieren den Reiz des Verbotenen, kokettieren mit der inneren Dunkelheit oder mit einem hoffnungslosen Blick auf die Zukunft. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen oder können gar zeitweise die Seiten wechseln.


Wer sich ein Buch kauft, hat also immer eine implizite emotionale Erwartungshaltung an dessen Inhalt. Leser entscheiden sich eher gegen ein Buch, wenn sie nicht innerhalb weniger Sekunden einschätzen können, wie sie sich bei der Lektüre wahrscheinlich fühlen werden.


Soviel als ein paar erste Impulse! Ich hoffe, ihr konntet hieraus für euch nützliche Informationen mitnehmen.


In wenigen Wochen geht es hier weiter mit Psychologie-Schreibtipps - Part 2: Unserem Leser verständlich machen, was ihn erwartet. Cover, Klappentext und die erste Seite.


Empfiehlt den Artikel gern weiter und genießt bis zum nächsten Part Eure Osterferien,


Vinachia 💖



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